Auszug aus der Festschrift zur 125-Jahrfeier 1982:

Die Geschichte des Bienenzüchtervereins Mannheim e.V.

Vor 125 Jahren wurde der Verein 1857 in der berühmten Stadt der Quadrate, zwischen Rhein und Neckar gelegen, gegründet.

Da der Verein auch durch die Stadt, in der er gegründet wurde, geprägt wird, geben wir Ihnen im Zusammenhang mit der Vereinsgeschichte auch einen kurzen historischen Rückblick auf die Stadt Mannheim. Im Jahre 766 trat Mannheim zum ersten Mal als Schiffer– und Fischerdorf im Lorscher Kodex dem Besitzverzeichnis des Kloster Lorsch in Erscheinung.

Durch den Kurfürsten Friedrich IV von der Pfalz erhält Mannheim 1652 die Stadtrechte. Auf das Titelblatt der Privilegien ist ein Kupfer gesetzt, das einen Bienenkorb zeigt, um den die Immen emsig schwirren.

Mannheim wird 1720 zur Hauptstadt und Residenz der Kurpfalz erhoben. Im gleichen Jahr beginnt auch der Bau des Residenzschloßes, das zu den größen Europas zählt. Im 19. Jahrhundert wird Mannheim badisch und muß die Wirren der napoleonischen Kriege miterleben. Ein anderes Wahrzeichen unserer Stadt ist der Wasserturm, der 1876 erbaut wird.

Mannheim nimmt in der Erfindung der Verkehrsmittel einen besonderen Platz ein, aus der Laufmaschine des Freiherrn von Drais wird später das Fahrrad, Carl Benz erfindet hier das erste Automobil und Heinrich Lanz schickt seinen einzylindrigen Bulldog in alle Welt.

Mannheim hat auch den größen Binnenstückgut– und den zweitgrößen Binnenhafen Europas mit 54 km. Hafenanlagen, sowie den zweitgrößen Rangierbahnhof Deutschlands zu verzeichnen. Durch die günstige Verkehrslage siedelte sich im Zuge der industriellen Revolution rasch Industrie an. Im letzten Weltkrieg wurde Mannheim schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Die Gründung unseres Vereins, fällt mit der Eintragung des „Badischen Vereins für Bienenzucht” zusammen, der 1857 durch Herrn Huber in Karlsruhe gegründet wurde.

So wurde von unserem Verein 1872 eine Generalversammlung des „Badischen Vereins für Bienenzucht” in Mannheim ausgerichtet. Die 3 Tage dauernde Ausstellung fand unter den aus allen Teilen Deutschlands angereisten Bienenwirten und Laien großen Anklang. Wie wir aus der „Eichstätter Bienenzeitung” Ausgabe 1873 entnehmen können, sollte auf der Generalversammlung neben einer großen Fülle an Informationsmaterial auch in die Anfänge der rationellen Bienenzucht eingeführt werden.

Besondere Aufmerksamkeit von Seiten der Besucher erhielten die ausgestellten lebenden Bienenvölker, unter denen sich italienische Völker mit goldgelben Königinnen in Dzierzonstöcken befanden, ebenso einige Krainer und ägyptischen Völker und deutsche Bienen in Strohkörben, die sehr honigreich waren. Besondere Aufmerksamkeit und Freude erregte ein von Wanderlehrer Fütterer „ausgehängtes” Bienenvolk, das nicht in einem Kasten oder Strohkorb, sondern nur an einem Brettchen angebaut war und frei ohne Umhüllung an einem Aste hing.

In einem apistischen Kabinett wurden die Ausstellungsbesucher über die Feinde der Bienen, über Bienensorten, Krankheiten und Wabensorten in formiert. Auf besonderes Interesse stieß die von Herrn Hruschka bereits 1863 erfundene Honigschleuder, noch Zentrifugalmaschine genannt, da der Honig in der damaligen Zeit noch durch das Schmelzen der Waben in der Ofenhitze gewonnen wurde.

Wie wir weiter aus der „Eichstätter Bienenzeitung” entnehmen können, wurde zur Erbauung der Vereinsmitglieder, die sich aus allen Ständen ( und Konfessionen ) zusammensetzten, eine Dampferfahrt auf dem Rhein und dem Neckar durchgeführt, zu der die Stadt Mannheim den Dampfer zur Verfügung gestellt hatte. Das Echo der in Mannheim ausgerichteten Generalversammlung ging weit über die Landesgrenze hinaus, wie ein Zitat aus der obengenannten Bienenzeitung beweist: „Der Badische Verein für Bienenzucht” hat in Mannheim mit der Generalversammlung einen Triumpf gefeiert, der es wert ist, auch über die Landesgrenzen seines Landes ein Echo zu finden, damit die treffliche und erfolgreiche Wirksamkeit dieses Vereins und die durch denselben erziehlten Resultate auch unsere Nachbarn anspornte, denn unsere Nachbarn mußen neidisch zugeben, daß zu dieser Zeit das badische Land eine führende Stellung inne hatte und alle anderen weit überflügelte. Zu diesem Erfolg trugen natürlich auch die Wanderlehrer bei, die in die entlegenste Gebiete Badens reisten, um die neuesten apistischen Geräte und Erkenntnisse auf dem Gebiet der Bienenzucht zu demonstrieren.

Da durch Kriegseinwirkung und Zerstörung dem Verein sämtliche Unterlagen verloren gegangen sind, können wir erst ab dem Jahre 1900 Vorstände nennen und uns langsam an die Vereinsgeschichte wagen.

Von 1900 bis 1905 leitete Herr Paul Hoffmann den Verein.

Im Jahre 1906 übernahm Herr Beisel den Verein.

Nachdem der Landesverein im gleichen Jahr wie der Mannheimer Verein gegründet wurde, nahm man dies 1907 auch zum Anlaß, das 50jährige Jubiläum gemeinsam zu begehen. Hierzu fand natürlich auch die Generalversammlung des Landesvereins in Mannheim statt.

Die Stadt Mannheim feierte auch zur gleichen Zeit ihr 300jähriges Bestehen, wozu gleichzeitig eine Gartenbau–Ausstellung mit verbunden wurde.

Zu diesen Feierlichkeiten, wird hier der volle Wortlaut aus „Die Biene und ihre Zucht” August 1907 übernommen.

Im Jahre 1909 hatten die Mannheimer Imker erhebliche Schwierigkeiten, mit dem Honigverkauf, da in Mannheim eine Fabrik für Kunsthonig eröffnet wurde.

Herr Bertsch, stellte bei der 45 Wanderversammlung 1909 des Landesvereins in Lörach ein Bienenvolk aus, und erhält den 2. Preis der mit 10 Mark honoriert wurde.

Im Jahre 1911 wurde der Verein beim Großherzoglichen Amtsgericht zu Mannheim unter dem Namen „Bezirks Bienenzuchtverein Mannheim” in das Vereinsregister eingetragen, und Herr Lorenz Klingert wurde bis 1916 Vorstand des Vereins.

Herr Klingert leitet auch den Einkauf der Honigausgleichstelle, es herrschte in dieser Zeit Honigabgabepflicht, denn ohne Honigabgabe erhielten die Imker den für die Winterfütterung der Bienen notwendigen Futterzucker nicht.

Das Pfund Honig wurde in der damaligen Zeit mit 2,75 Mark gehandelt.

Da gerade unser Verein einen großen Raum zu betreuen hat, mußten die Imker recht weite Wege mit dem Handwagen zurücklegen, um für die Bienen den Zucker zu bekommen.

Im Jahre 1920 wird in Karlsruhe die Badische Imkergenossenschaft gegründet, für den Honigeinkauf ist Herr Klingert aus Mannheim der zuständige Mann. Durch die Gründung der Genossenschaft soll den Imkern mit Geräten und Zucker durch Großeinkauf geholfen werden. Es mußte hierzu eine Aufnahmegebühr entrichtet werden.

Herr Klingert wurde 1918 mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet.

Von 1917 bis 1923 übernahm Herr Georg Weckesser die Vereinsleitung, von 1924 bis 1927 leitet der Stadtrat, Herr Johann Kremer den Verein und in den Jahren 1928 bis 1929 übernahm Herr Bettenstein das Amt des Vorsitzenden.

1930 wechselten die Vorstände in sehr schneller Reihenfolge, bis dann schließlich und endlich der Bürgermeister von Seckenheim, HerrTh. Flachs, das Amt bis 1932 übernahm.

Bereits 1932 konnte man ein Mitglied, Herr Kraus für seine 40jährige Vereinszugehörigkeit ehren, er wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Im gleichen Jahr fand in Mannheim eine Landwirtschaftliche Wanderausstellung statt, an der sich der Verein beteiligte. Es wird hierzu auch berichtet, daß durch die Kriegsjahre und durch Zuckerknappheit, ebenso wie durch Seuchen die Bienenhaltung sehr gelitten hatte.

1932 wurde im Verein eine Wanderabteilung gegründet und es wurde in die Pfalz, in den vorderen Odenwald und in den Schwarzwald, ins Holzbachtal gewandert. Herr Kreutzer regte schon in der damaligen Zeit an, man möge doch einen eigenen Wanderplatz im Schwarzwald erwerben.

Herr Kreutzer veranstaltete auch verschiedene Familienabende mit buntem Programm.

Herr Flachs übergibt 1933 Herrn Kreutzer den Verein, doch dieser mußte aus politischen Gründen die Vereinsleitung 1934 wieder abgeben. Nach der Gleichschaltung durch die Partei wurde der Verein Herrn Nöltner übertragen.

Herr Kreutzer verstand es dennoch, in den ersten Reihen des Vereins mitzuwirken, so wurde er Zuchtwart und war immer bemüht, die Imker zur Zucht anzuhalten.

Es wurde ein Stamm „Langenbach” als Muttervolk für die Zucht erworben.

Eine eigene Zuchtstation am Karlstern in Neckarau war zu dieser Zeit schon vorhanden und wurde auch sehr von den Züchtern in Anspruch genommen.

1934 stellte die Gartenbauverwaltung der Stadt Mannheim dem Verein einen Versuchsweideplatz im Herzogenriedpark zur Verfügung, der dem Verein als Lehr– und Versuchsstand diente.

Im Jahre 1941 wurde die Untergruppe — Bienenzüchter des Eisenbahn–Gartenbauvereins aufgelöst und die Imker an den Ortsverein, sprich „Ortsgruppe” Mannheim überstellt. Nach Kriegsende gingen diese wieder zu ihrem alten Verein zurück, um schließlich nach dessen erneuter Auflösung im Jahre 1956 wieder zu unserem Verein zurückzukehren.

1941 wird Herr Kreutzer für unbestimmte Zeit für den Vorsitz des Vereins bestimmt, danach durch Herrn Nöltner dem Ortsfachgruppenleiter, zum Stellvertreter ernannt.

Durch die Einrichtung des Winterhilfswerkes waren die Imker mehr oder weniger gezwungen, für diese Institution Honig zu spenden und natürlich mußten auch 2 kg Honig pro Volk für den Futterzucker abgegeben werden. Hierzu kamen von der Partei noch spitze Bemerkungen, daß der Staat von den Imkern auch Leistungen in Form von Honig erwarten könne, wenn er den Imkern schon verbilligten Zucker zur Verfügung stelle.

1941 wurden sehr viele Bienenvölker durch die ständigen Luftangriffe zerstört, später stellte sich jedoch heraus, daß die durch fast nichts zu ersetzenden Beuten den größten Verlust darstellten.

1943 wurde dann noch die Pflichtabgabe von Altwachs eingeführt, das für die Rüstung benötigt wurde.

Trotz des Krieges hatte sich Herr Dr. Geinitz vom Landwirtschaftlichen Institut in Freiburg in Mannheim eingefunden und einen Vortrag über Blüten– und Blatthonig gehalten. Die Propaganda der Nationalsozialisten für Imker lautete: „Auch ein Imker muß im totalen Krieg seinen Platz ausfüllen”.

1944 starb Herr Nöltner und Herr Bettwieser wurde für die Vereinsleitung zunächst nur kommissarisch eingesetzt, wurde dann jedoch wieder abgesetzt; bis 1946 übernahm dann Herr Karg die Vereinsleitung.

Während des Krieges gab es natürlich keine größeren (festlichen) Ereignisse.

Nach dem Kriegsende fanden dann auch die ersten Versammlungen wieder statt und 1946 wird Herr Bettwieser erster und Herr Kreutzer zweiter Vorstand.

Die ersten Nachkriegsjahre waren für die Imker auch nicht viel besser, denn noch immer mußte Honig für Zucker angeliefert werden und die Zuckerbeschaffung stellte die Imker vor erhebliche Schwierigkeiten.

1947 wurde eine neue Belegstelle eingeweiht, da die alte den züchterischen Ansprüche nicht mehr genügt. Es wurden auch wieder Wanderungen durchgeführt, so in die Luzernentracht ins Bauland und ins Moosalbtal im Schwarzwald.

1948 erkannte der Landesverband unsere Belegstelle als Reinzuchtbelegstelle an.

Herr Karl Bettwieser wurde Berufsimker und Reinzüchter, nachdem er zusammen mit Herrn Ellg die Imkermeisterprüfung abgelegt hatte.

Herr Bettwieser war einer der ersten Züchter, der Königinnen ins Ausland nach Ägypten in sehr hoher Stückzahl über Jahre hinweg verkaufte. Die damalige Zuchtrichtung war Peschetz. Herr Bettwieser war ein großer Züchter und regte immer wieder zur Zucht an, fand natürlich in Herrn Kreutzer und dem damaligen Leiter der Imkerschule in Heidelberg Herrn Maier, der dem Mannheimer Verein beigetreten war, die richtigen Leute, die immer wenn, es um Zucht ging, voll dabei waren und alle begeistern konnten. So war es denn auch nicht verwunderlich, daß eine 20 Mann starke Züchtergruppe entstand. Man konnte fast den Eindruck haben, daß jeder Mannheimer Imker ein Züchter sein möchte. Herr Bettwieser führte auf seinem Stand auch Anfängerkurse durch.

1949 wurden wieder die ersten Bienenzeitungen gedruckt, und die Imker konnten wieder den neuesten Stand der Technik erfahren, natürlich ließ auch der Imkerkalender nicht lange auf sich warten.

Nach der Währungsreform wurde es auch für die Imker wieder leichter, es gab wieder Beuten ohne Bezugsscheine, man konnte Zucker im freien Handel er werben, und dann tauchte auch schon wieder der erste ausländische Honig in Mannheim auf.

Der Verein beteiligte sich auch an der Imkerschule Heidelberg, es wurden sogenannte „Bausteine” ausgegeben.

1950 fand in Mannheim die Jubiläums–Ausstellung des badischen Gartenbaues statt, an der sich der Verein beteiligte und es ist ein voller Erfolg gewesen.

Es wird in der Jubiläumsausgabe von 1950 darauf hingewiesen, daß der Bienenzucht für die Besteubung der Blüten größte Bedeutung beizumessen sei.

Hierzu ein kleiner Vers

Den Schöpfer fromm verehren,
Den Wohlstand fleißig mehren,
Dem Volke selbstlos dienen,
Das lehren uns die Bienen!

Der Verein nimmt von jetzt an immer an diesen Ausstellungen teil.

1950 spricht Herr Dr. Dreher in Mannheim über die Rassenfrage, sowie die Zuchtrichtung, die bei der Biene eingeschlagen werden sollte.

Der Verein erreichte 1950 seinen höchsten Mitgliederstand von 160 Mitgliedern in seiner langen Vereinsgeschichte.

Herr Forstrat Scholz, der für den Raum Mannheim zuständig ist, spricht über die Waldbienenweide, und was die Forstbehörde für die Bienenweide der Imker unternimmt. Mit Forstrat Scholz wurden öfters Waldexkursionen durchgeführt.

Da unsere Belegstelle im Übungsgelände der amerikanischen Streitkräfte lag, mußte sie geräumt werden. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Forstbehörde und den städtischen Stellen war eine neue Belegstelle bald gefunden.

Hier möchten wir auch noch auf die vielen Waldbienenstände hinweisen, die die Mannheimer Imker durch die gute Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt der Stadt Mannheim, sowie den Forstbehörden erhielten.

Es sei hier besonders Herr Garten–Baudirektor Bäuerle, und Herr Forstoberbaurat Herr Weihmann erwähnt.

Hier sei diesen Behörden ein besonderer Dank ausgesprochen, die immer wenn es gilt, für.die Imkerliche–Belange mitzuarbeiten dem Verein bzw. den Imkern zu helfen.

Prof. Dr. Frisch spricht 1953 im Feierabendhaus der BASF, über das Thema — wie könnte es anders sein —: Die Tanzsprache der Bienen”, was natürlich unter den Teilnehmer gut angekommen ist.

Auf Initiative von Herrn Bettwieser wird in Neckarau eine Verkaufsstelle für Bienengeräte eingerichtet, die er dann selbst übernimmt.

1954 wird der Verein wieder ins Vereinsregister als „Bienenzüchter–Verein e.V.” eingetragen, nachdem durch die Gleichschaltung die Eintragung erloschen war.

1954 verwirktlichte sich ein von Herrn Kreutzer 32 Jahre lang gehegter Wunsch, daß der Verein einen eigenen Wanderplatz im Schwarzwald erhält. Dieser Wunsch konnte nur in Erfüllung gehen, weil er den Präsident des Landesverbandes Herrn Schäufele für seine Ziele gewinnen konnte.

Herr Schäufele sprach in einer Versammlung von der Notwendigkeit eines Wanderplatzes, und überzeugte die Mitglieder; so wurde dann am 30.5.1954 ein 35& a großes Waldstück in dem kleinen Dörfchen Bernbach, nahe bei Herrenalb gelegen, gekauft.

Herr Kreutzer verstand es, alle Stellen, so die Stadt Mannheim und den Landesverband, für dieses Bauvorhaben zu interessieren und um Zuschüsse zu bitten, die er dann auch meistens erhielt. Nur durch die List von Herrn Kreutzer kann der Verein heute mit Stolz auf einen wunderschönen Wanderstand für 250 Völker mit Schleuderraum blicken.

Hier sei auch noch die Spendefreudigkeit und Arbeitsbereitschaft der Mitglieder erwähnt, besonders das Mitglied Penn, das dem Verein einen langjährigen Kredit eingeräumt hatte.

Nun, so schön wie die Freude über den neuen Wanderplatz auch war, die erste Aufwanderung fiel buchstäblich ins Wasser, und die Honigkannen blieben leer.

Der ehemalige Vorstand von 1924 Herr Stadtrat Kremer a.D. wurde am 21.10.1954 80 Jahre, aus diesem Anlasse zum Ehren–Imkermeister ernannt.

1955 mußten die Mannheimer Imker große Bienenverluste durch Kälte und Nosema hinnehmen, man sprach von 100 Völker, die verloren gingen, und es dauerte lange, bis die Verluste ausgeglichen waren.

Es entstand 1955 eine enge Zusammenarbeit mit dem Verein „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald” bei denen der Verein als Mitglied eingetragen ist.

1955 spricht Herr Dr. Kienzle von der Wetterwarte Mannheim über die Luftatmosphäre und über das Zustandekommen des Wetters, was mit einer Besichtigung der Wetterwarte verbunden wurde. Seit dieser Zeit gibt es für die Mannheimer Imker keine Wetterprobleme mehr!

1956 spricht Herr Bitschene über den Bienenzüchterkongress in Wien und bringt dazu einen Lichtbildervortrag.

Im Jahre 1959 wird Herr Karl Kreutzer zum ersten Vorsitzenden, und Herr Bettwieser zum Vorsitzenden „Ehrenhalber” ernannt.

Der Verein beteiligte sich wieder mit einem Wanderstand, den die Firma Martin zur Verfügung gestellt hatte, am „Blühenden Herbst”.

Durch die gute Kritik, die der Verein hier erhalten hatte, wurde dem Verein durch den Gartenbauverband eine Ehrung zuteil.

In der heutigen Zeit nimmt der Verein nicht mehr am „Blühenden Herbst” teil, sondern an der großen Regionalschau, dem bekannten „Mannheimer Maimarkt”.

Als prominente Gäste konnten wir auf dem Maimarkt den Landwirtschaftsminister des Landes Baden–Württemberg Herr Gerhard Weiser in Begleitung des Mannheimer Oberbürgermeisters Herr Dr. Ratzel begrüßen.

Herr Ministerpräsident Lothar Späth, konnte auch an unserem Informationsstand begrüßt werden.

Der Informationsstand auf dem Maimarkt bringt dem Verein durch die öffentlichen Medien immer eine gute Kritik ein.

Im Jahre 1960 besuchte Herr Matt die Belegstelle, und hat sich über diese sehr wohlwollend ausgesprochen. Herr Matt fand auch, daß die Züchtergruppe gut arbeitet.

Von der Züchtergruppe wurden über 1000 Königinnen auf die Belegstelle zur Begattung gebracht, das Ergebnis der Begattung wurde mit 85% bezeichnet.

1960 fand eine Landesobstbautagung im Mannheimer — Rosengarten statt. hier beteiligte sich der Verein mit einem Informationsstand unter dem Motto „Ohne Bienen kein Obst”.

1961 fand die Generalversammlung des Landesvereins badischer Bienenzüchter in Mannheim statt. Als Festgäste konnten begrüßt werden: Herr Dr. Graf, Bürgermeister der Stadt Mannheim, Herr Dr. Lott vom Regierungspräsidium Nordbaden aus Karlsruhe, Herr Garten–Baudirektor Bäuerle der Stadt Mannheim. Herr Dr. Steche stellte sich als neuer Leiter von der Landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim vor.

Der Vorstand des Nordbadischen Landvereins Herr Schäufele war ebenso anwesend. So konnte er die Vorsitzende der Nachbarverbände Hessen, Pfalz und Württemberg begrüßen, sowie 200 Vertreter der einzelnen Bezirksvereine des Landesverbandes Nordbaden.

In seinem Referat bemängelte Herr Matt sehr, daß die Zucht nicht mehr intensiv betrieben würde, und der Zuchtgedanke bei den Imkern in den Hintergrund getreten sei.

Der Fachvortrag wurde von Herrn Gontarski über Bienenpflege als Voraussetzung einer erfolgreichen Bienenzucht gehalten, dies wurde von den Zuhörern mit großem Beifall bedacht.

Dr. Steche stellte sich als Leiter des Institut Hohenheim den Imkern vor, und brachte in seinen Ausführungen zum Ausdruck, daß er gerne das Institut für Bienenzucht besser ausbauen wolle, was er ja später dann auch zusammen mit Herrn Dr. Sachs in die Tat umsetzte. Heute gilt das Institut für das Land Baden–Württemberg als Musterbeispiel.

Für den festlichen Teil der Veranstaltung wurde auch bestens von Seiten unseres Vereins gesorgt, und die Teilnehmer der Veranstaltung waren voller Begeisterung.

Man sprach sich dafür aus, man möge Mannheim öfters zum Tagungsort von Veranstaltungen des Landesvereins auswählen.

Unser heutiger zweiter Vorstand, Herr Heinz Lehnhart, wurde von Herrn Matt als Reinzüchter von Nordbaden ernannt.

Herr Lehnhart unterhält eine eigene Belegstelle.

Herr Bettwieser war auch Reinzüchter mit eigener Belegstelle.

1962 wurde eine Informationsfahrt nach Hohenheim ins Institut unternommen, um die neuesten Erkenntnisse in der Imkerei in Erfahrung zu bringen.

Man war von dem Gesehenen und Gehörten sehr angetan. Es darf hier noch erwähnt werden, daß das Gesehene auch verschiedentlich zur Erneuerung der Mannheimer Imkerstände beitrug.

Im Jahre 1963 kam der Zusammenschluß der beiden Landesverbände Nord– und Südbaden. Herr Kreutzer wurde Schriftführer des Landesverbandes, er hatte diesen Posten lange Jahre inne. Herr Kreutzer war auch Vorsitzender des Großkreises Rhein–Neckar. Herrn Kreutzers größter Verdienst für unseren Verein ist der Bau des Wanderstandes im Schwarzwald.

Herr Kreutzer hatte alle Auszeichnungen bekommen, die sich ein Imker wünschen kann. Er war Ehrenvorsitzender des Vereins und verstarb 1980 im Alter von 84 Jahren, bei geistiger Rüstigkeit.

1967 legte Herr Manfred Schönung die Imkermeister Prüfung ab. Herr Schönung erstellte im Herzogenriedpark einen eigenen Lehrbienenstand, der natürlich auch dem Verein zugänglich gemacht wurde.

1969 wird Herr Schönung Zuchtobmann des Landesverbandes.

Im Jahre 1969 war Herr Horst Bayer für ein Jahr Vorstand.

1970 wurde Herr Peter Pekutta zum ersten Vorsitzenden gewählt. Dieses Amt bekleidet er bis zum heutigen Tage.

1970 wurde unter der Initiative von Herrn Schönung ein Zuchtzentrum unter dem Namen „Kurpfalz” gegründet.

Hier wurden in der Zucht neue Wege gegangen. Man wollte zuerst eine Gebirgsbelegstelle im nahe gelegenen Odenwald für das Zuchtzentrum, überlegte sich aber, daß bei der Waldtracht die Drohnenfreiheit nicht mehr gegeben sei, und ging so einen neuen Weg. Es wurden um die vorhandene Belegstelle alle Imker in einem Radius von 7,5 km erfasst und für die Zucht gewonnen.

In diesem Zentrum wurden auch die benachbarten hessischen Imker der Gemeinden Viernheim und Lampertheim mit einbezogen. Die Ständen wurden mehrmals auf das Zuchtmaterial umgeweiselt, sowie auf den Ständen im Zuchtzentrum reger Drohnenbetrieb gefördert, um fremde Einwirkung von Drohnen weitgehend zu verhindern, um so zu guten Ergebnissen zu gelangen. Es wurden Zuchtstoffstationen eingerichtet, um die Züchter und die im Zuchtzentrum stehenden Imker mit Material versorgen zu können. Hier stellte man fest, daß die alten Zuchtmethoden neu überdacht werden mußten. Man kam so auf eine einfache und gute Methode, um den Zuchtstoff mit dem geringsten Aufwand an Zeit verteilen zu können. Es wurde eine sogenannte Zuchtleiste aus Hartschaum ( Roofmate ) mit Löcher versehen, zur Aufnahme der Weiselbecher mit Stopfen. So wurde trocken umgelarvt und die Züchter konnten mit dem Zuchtstoff sofort auf ihre Stände, und in die vorbereiteten Völker geben. Dies war der ideale Weg.

Herr Prof. Dr. Ruttner erwähnte dieses Verfahren der Zuchtstoff–Abgabe in seinem Buche „Zucht und Zuchttechnik bei der Biene”

Das Zuchtzentrum fand bereits auf einer Züchtertagung in Heidelberg im Jahre 1972, also 2 Jahre nach der Gründung, ein großes Echo bei der Fachwelt, Herr Dr. Gnädinger sprach seine besondere Anerkennung hierzu aus.

Durch die freundliche Beziehung mit der Mannheimer Partnerstadt Toulon in Frankreich, mit dessen Imkern der Mannheimer Verein einen sehr guten Kontakt unterhält, waren diese schon mehrmals bei uns zu Gast, sowie der unsrige Verein in Toulon. So wurden auch die „Kurpfalz–Königinnen” in Frankreich wegen ihrer guten Leistung sehr geschätzt.

1975 fand in Mannheim von April — Oktober die Bundesgartenschau statt.

Durch diesen Umstand wurden die Parkanlagen teilweise umgebaut und umgestaltet; so mußte auch der von Herrn Schönung erstellte Lehrbienenstand weichen.

Das Grünflächenamt der Stadt Mannheim stellte dem Verein wieder ein Gelände zur Verfügung.

So wurde der Entschluß gefaßt, einen vereinseigenen Lehrbienenstand zu errichten.

Es war dies ein schweres Unternehmen, das sich da Herr Pokutta aufbürdete. Um den Lehrbienenstand realisieren zu können, mußte hierzu das nötige Geld, das der Verein nicht zur Verfügung hatte, beschafft werden.

Für den Bau wurden vom Landesverband zweckgebundene Gelder zur Verfügung gestellt, die Gartenschau G.m.b.H., sowie die Stadt Mannheim beteiligten sich an den Kosten, hier sei auch noch die Firma Martin aus Heimbach erwähnt, sowie die Firma Nicht aus Kirchheim, die auch für das Gelingen beitrug.

Der Lehrbienenstand war über die ganze Bundesgartenschau für die zahlreichen Besucher geöffnet, es wurden Informationen sowie Filme gezeigt, um die Bevölkerung auf die Notwendigkeit der Bienenzucht aufmerksam zu machen. Auch heute finden natürlich noch regelmäßig Lehrveranstaltungen statt.

Im Zusammenhang mit der Bundesgartenschau, wurde die Landesverbandstagung nach Mannheim ins Kulturhaus geholt.

Die Schirmherrschaft hatte der Oberbürgermeister der Stadt Mannheim, Herr Dr. L. Ratzel, übernommen.

Als Gäste konnten begrüßt werden: Herr Reg. Land. Dir. Dr. ;Sölch (Reg. Präs. Karlsruhe), Dr. W. Steche (Landesanstalt für Bienenkunde) Herr Dr. R. Buchner (Tierhyg. Institut), Dr. Propp (Südzucker A.G.), W. Melzer (DIB ) und Herr Martinsen (L. Funk) und dazu freilich auch die gesamte Vorstandschaft des Landesverbandes, Herr Dr. Gnädinger mit seinen Resortleitern.

Der Festvortrag wurde von Herrn Prof. Dr. Ruttner gehalten. Zu diesem Vortrag lieferte Herr Schönung das Thema: Carnica–Reinzucht. „Pro und Contra”.

Dieses Thema war natürlich sehr brisant, es ging hier um Carnica oder die von Bruder Adam gezüchtete Bienenrasse „Buckfast”.

Herr Prof. Dr. Ruttner wurde als Vertreter der Carnica angekündigt, er wollte aber nicht nur in diesem Sinne sich verstanden wissen, sondern vielmehr als Wissenschaftler deren Masse er in seiner Stellung zu vertreten habe.

Als Gegenkanditat referierte Herr Fehrenbach als Vertreter der Buckfast.

Auch hier zeigte sich wieder, daß die Bienen und ihre Zucht eine ständige Herausforderung an Wissenschaftler, Züchter und an die Imker darstellt. Es wurde natürlich auch klar herausgestellt, was die Biene für den Umweltschutz bedeutet.

Am Rande der Tagung stellte die einschlägigen Firmen ihre neuesten Geräte zur Schau, und der Literaturfreund kam natürlich bei der Ausstellung der Lehrbücher über die neuesten Erkenntnisse der Imkerei auch auf seine Kosten.

Was wäre eine solche Veranstaltung ohne den gemütlichen Teil. Man hatte hier von Seiten des Vereins einen gut gelungenen bunten Abend gestaltet. Mit den Eintrittskarten verbunden waren drei Preise zu gewinnen.

Von der öffentlichen Presse wurde diese Veranstaltung auch sehr lobenswert erwähnt.

Im Jahre 1975 brachte dem Mannheimer Verein in seiner Geschichte die größten Aktivitäten, so wurde noch im gleichen Jahr der Deutsche Imkertag in MannheimWallstadt ausgerichtet.

Hier konnten als Gäste begrüßt werden: Dr. F. Brünner, Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Umwelt, Stuttgart, Dr. H. Aigner, Bundestagsabgeordneter und Abgeordneter des Europäischen Parlamentes und Herr A. Tropper Präsident des Österreichischen Imkerbundes.

Den Festvortrag hatte Herr Dr. Aigner über Stand der politischen Einigung Europas (auch unter Berücksichtigung von Problemen der Imker) gehalten. Herr A. Tropper referierte über die Bienenzucht und imkerliche Betriebsweise in Österreich.

1977 wird Herr Pokutta stellvertretender Zuchtobmann des Landesverbandes, dieses Amt begleidet er heute noch.

Ein Verein braucht natürlich auch einen Kassierer und so können wir hier einen Mann vorstellen, der 43 Jahre lang fremdes Geld in seine Obhut ge nommen hatte, und den Verein niemals in geldliche Schwierigkeiten gebracht hatte. Herr Lohn war ein Mann, der, wenn es ums Geld ging, nur sehr schwer sich von diesem trennte. Wenn in der langen Zeit ein Vorstand Geld brauchte und der Kassenstand auf Null gehen sollte, war stets sein Zitat: „Wenn Geld hosch, kannschs mache” und was blieb dem Vorstand anderes übrig, als sich Geld von anderen Stellen zu besorgen, oder sein Projekt aufzugeben, bis das nötige Geld in der Vereinskasse zur Verfügung stand.

Wir sind jetzt am Ende unserer Vereinsgeschichte im Jahre 1982, begehen unser Fest, in der Hoffnung, daß es mit dem Verein nicht abwärts, sondern immer aufwärts gehen möge.

Zum guten Ende:

Ungezählte Stunden saß ich über den alten Schriften, die in wenigen Jahren nur noch wenig Menschen lesen können. Die Zeit hoffe ich, ward nicht nutzlos vertan, denn wer eine Vereinsgeschichte liest, wird mehr über seinen Verein wissen. Zunächst mag alles oder vieles als Nutzlos erscheinen, aber wenn ich es am Ende recht bedenke, so wird die Situation des Vereins, oder der Stadt, doch wieder lebendig.

Mir sind beim lesen viele Menschen begegnet, teils leben sie noch unter uns, oder haben schon ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Ich begegnete einem Verein, der in seinen 125 Jahren sehr viele Höhen, aber auch genau so viele Tiefen durchmachte.

So kann man doch am Ende sagen, daß er in all den Jahren seinen Aufgaben der Zusammengehörigkeit gerecht wurde, und sein Ziel nie aus den Augen verloren hat.

Karlheinz Hofmann

Das war die Geschichte bis 1982, soweit sie von Karlheinz Hofmann zusammengetragen wurde.



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